Acht Monate unterwegs mit Benno travel blog

Auf Wiedersehen Costa Rica...

Dachrenovation auf costaricanisch...what a mess!


Ein Wort zu Costa Rica und Tamarindo zum Abschied. Dank meinem Spanischlehrer der dritten und fuenften Woche - Edgar - habe ich ein differenzierteres Bild von Costa Rica erhalten. Das groesste Problem des Landes ist wohl die Korruption. Dies ist wohl das Haupt-Problem aller armen Laender, neben Krieg, Hunger und Naturkatastrophen. Die Diskussionen ueber Korruption mit ihm waren wirklich bereichernd. Wo beginnt sie, wo hoert sie auf? Sehr schwierige Fragen. Begegnen uns diese Dinge nicht auch in kleinerem Rahmen in der Schweiz? Eine Hand waescht die andere...? Ich mache dir diesen Gefallen, Du mir einen anderen? Dieses Geschaeft fuer mich - jenes fuer dich? Die Gesetze diesbezueglich wurden in der Schweiz verschaerft, was sicher zu begruessen ist. In Costa Rica sind in den letzten Wochen zwei Ex-Praesidenten wegen Korruption verhaftet worden und auch einem Dritten, der momentan in der Schweiz arbeitet, soll es gleich ergehen. Sie warten nun einige Monate hinter Gittern auf ihren Prozess (es geht um Millionen...). Dies ist eine Sensation fuer Costa Rica und in anderen Laendern von Zentralamerika wuerde das wohl heissen 'zu den Waffen...' - aber Costa Rica hat keine Armee / so ist die kleine Revolution 'friedlich' im Gange.

In Tamarindo wird momentan unheimlich viel gebaut. Die Bekanntheit und Beliebtheit des Ferienortes steigt von Tag zu Tag. Der Tourismus scheint zu boomen (obwohl es jetzt noch nicht viele hat, ist aber auch noch Regenzeit). Vor allem die Amerikaner sollen hier auf den Geschmack gekommen sein. Was sind die Folgen fuer diesen Ort? Anscheinend ist der groesste Teil des Ortes im Besitz von amerikanischen Investoren. Es wurde viel spekuliert. Die Land- und Hauspreise liegen so hoch, das kein Einheimischer sich mehr leisten kann, in Tamarindo selbst zu leben. Das Preisniveau liegt mindestens auf Schweizerischem Niveau. Eine Packung 'Pringels' (Chips) kostet z.B. umgerechnet fast drei Franken (teurer als bei uns). Waehrend der Saison bezahlt man wohl fuer uns 'normale' Preise fuer eine Uebernachtung (vielleicht 80 Franken?). Was ist aber anders als an anderen Orten in der Welt? Ganz einfach: eine Angestellte an der Kasse eines Supermarktes verdient vielleicht 300 Franken im Monat. Alle einheimischen Angestellten sehen natuerlich die Preise, und das Geld, das die Touristen bezahlen. Leider fliesst das Geld aber nicht in ihre Taschen...Wo dieses Missverhaeltnis am offensichtlichsten ist (z.B. eben im Supermarkt oder im Hotel) kriegt man dies 'Empfinden der Ungerechtigkeit' dann wohl vor allem als Amerikaner auch zu spueren, wo dann nicht mehr alle gleich freundlich und hilfsbereit sind. Vielleicht koennte man von einer 'Hassliebe gegenueber dem Tourismus' sprechen. Diese Zeilen nur als Kehrseite einer Medaille, die auch eine gute hat! Es gibt hier sehr viel Arbeit und den Leuten geht es hier vergleichsweise mit anderen Regionen gut. Vor allem verstehen sie es, das Leben zu geniessen. Sicher wird hier auch weniger gearbeitet und der Arbeitsrhythmus ist hier um einiges tiefer. Das kamen auch die Besitzer meiner Sprachschule WAYRA, die ich wirklich empfehlen kann zu spueren. Es ging einfach nicht vorwaerts (siehe Photo). Die Arbeiter kamen je nach Lust und Laune. Und meistens hatten sie keine Lust. Nach ueber einem Monat verzug musste die Notbremse gezogen und ein neuer Lieferant organisiert werden. Jeden Tag ein herrlicher Sonnenuntergang, jeder Tag das herrliche Meer vor der Tuer, der Strand und, und, und...

Aber ob das wohl so bleibt? Die junge Generation orientiert sich auf jeden Fall nach dem westlichen Muster und jeder hier in Tamarindo richt das Geld von den reichen Touristen und moechte natuerlich ein Stueck vom Kuchen, manchmal auch mit Geschaeften, die nicht immer legal sind. Wenn Reichtum mal der zentrale Lebensinhalt wird, ist's wohl auch vorbei mit "dem puren Geniessen des Lebens". Schade, denn obwohl hier die Leute viel weniger besitzen als wir, scheinen sie mir hier sehr gluecklich zu sein.

Costa Rica - die Schweiz Zentralamerikas? Der Vergleich hinkt gewaltig. Mit bestem Willen sehe ich nur wenig Parallelen. Weshalb sind die Leute bloss auf diesen Ausdruck gestossen? Vielleicht weil das Land schon lange friedlich ist? Vielleicht, weil sie in den Achzigerjahren "Neutral fuer immer!" in der Verfassung verankert haben? Andere Gruende fallen mir nicht ein...doch einer: es ist hier AUCH wunderschoen!

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